Wenn Du mich schon so nett auf die Bühne hebst, gebe ich gern meinen Senf dazu. ;)
Meines Wissens nach ist das so, dass tatsächlich alle Maschinen, die vom Band laufen, auf einen End-of-Line Prüfstand kommen, mit dem alle Funktionen - von den Bremsen über das Getriebe bis zum Motor und der Elektrik - einmal durchgetestet werden. Der Motor ist also bereits zumindest einmal durch einen guten Teil seines Drehzahlbereichs gelaufen, wenn er das Werk verlässt.
Was das Einfahren betrifft, gibt es viele Meinungen. Konsens scheint aber zu sein, dass am Ende ordentliches Warmfahren auf Dauer wichtiger ist als einmalig vorsichtiges Einfahren. Offenbar ist es aber so, dass ein neuer Motor in den ersten 100 Kilometern die entscheidende Phase des Einfahrvorgangs erlebt, wenn es um Abriebe im Anpassprozess geht - viel davon passiert im Getriebe.
Das Öl nach der Einfahrperiode zu wechseln, ist daher nicht nur sinnvoll, sondern wichtig. Ein Blick auf die Ablagerungen am Magneten der Ablassschraube überzeugt da nachhaltig.
Abrieb an der magnetischen Ablassschraube meiner V100 Mandello, 650km Laufleistung, erster Ölwechsel.
Ich selbst wechsele bei neuen oder neu aufgebauten Motoren das Öl nach den ersten 500 Kilometern und dann noch einmal nach etwa 1000 Kilometern. Übrigens: Die S1000RR, die BWM im Rahmen ihrer eigenen Fahrertrainings nutzt, bekommen alle 1000 Kilometer frisches Öl, weil die ständig auf der Rennstrecke geknechtet werden. Es ist einfach die beste und billigste Methode, für einen (einigermaßen) langlebigen Motor zu sorgen.
Die Hersteller füllen in ihre Motoren übrigens keine Plörre ein. Das ist Unsinn. Eingefüllt werden immer Öle, die die entsprechende API- oder JASO-Spezifikation erfüllen, die bei der Entwicklung des Aggregats als Mindest-Spezifikation verwendet wurde. Man kann aber natürlich selbst bei Ölwechsel Öl einer höheren Spezifikation verwenden.
Wenn man ein Motorrad behalten möchte, und das auch weit über die Garantiezeit hinaus, dann ist es meiner Ansicht nach Unfug, an den Ölwechseln zu sparen. Öl kostet nicht die Welt und ein Ölwechsel ist schnell gemacht. Für einen fünfstelligen Betrag ein neues Motorrad kaufen und dann die 80€ für sehr gutes Öl und Filter nicht übrig haben? Kann ich mir schwer denken.
Was "schimmelndes" Öl betrifft: Natürlich altert das Öl selbst, weil sich die Additive aufbrauchen. Aber bei längerer Standzeit mit älterem Öl kann auch im Öl befindliches Wasser (ein normales Beiprodukt des Verbrennungsvorgangs) im Motor Schaden anrichten, so wie auch andere Chemikalien, die möglicherweise nicht mehr von Additiven gebunden werden können. Das ist zwar ein Extremszenario, aber wiederum: Wer seine Maschine lange behalten möchte, bedenkt auch dies. Ölwechsel daher auch eher am Ende der Saison als zu Beginn der neuen Saison machen.
Bei Automotoren haben wir inzwischen eine etwas andere Situation: Da sind aus verschiedenen Gründen (extreme 0-W Leichtlauföle, Abgasrückführung, Start-Stopp-Automatik, Unsinn wie im Öl laufende Zahnriemen) die Motoren gern nach Ablauf der Garantiefrist bereits ein Fall für die Überholung.